Trio-Buchvorstellung, Praktiken des Realen (1), Kybernetik + Kritik (2) und Endosymbiotische Komputation (3)
Die Juniorprofessur „Digitale Medien und Computation“ lädt ein zu einer dreifachen Buchvorstellung mit den neusten Buchpublikationen von Anna-Verena Nosthoff, Jens Schröter/ Stefan Römer und Shintaro Miyazaki, die alle im Jahr 2026 erschienen sind bz. noch werden.
Datum: Donnerstag, 29. Oktober 2026
Zeit: ab 18:30
Ort: Medientheater HU, Georgenstraße 47, 10117 Berlin
„Praktiken des Realen“ von Jens Schröter und Stefan Römer: Inmitten von „AI Slop“ und Post-Truth-Diskursen hinterfragt dieser Band das vermeintliche Verschwinden des Realen in vier Aufsätzen und einem Fotoessay. Entgegen Jean Baudrillards kulturpessimistischer These in „Agonie des Realen“ (1978), die Simulation als bloße Täuschung und fortschreitendes Verschwinden der Wirklichkeit deutet, erforscht dieser Band die kontinuierliche technologische Neu-Produktion des Realen – in wissenschaftlichen Simulationstechniken und in „Fake News“. Statt eines finalen Verlusts des Realen lassen sich damit dynamische Transformationen des aktuellen Realitätsverständnisses gewinnen.
„Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst“ von Anna-Verena Nosthoff: Elon Musk bezeichnet die Plattform X als »kybernetische Superintelligenz«, Mark Zuckerberg denkt Unternehmen als »lernende Organismen«, und der Erfinder der Datenbrille Google Glass sagt: »Die Kybernetik ist überall, wie Luft.« Diese Aussagen kommen nicht von ungefähr. Wer die Digitalisierung verstehen will, muss auf ihre kybernetischen Ursprünge schauen. Das Buch legt ein umfassendes Panorama der Kybernetisierung der datafizierten Gegenwartsgesellschaft – von den frühen Prämissen aus den 1940er-Jahren über die Emergenz des Cyberspace bis hin zum aktuellen KI-Hype und zu technikautoritären Strömungen. Es zeigt sich: Die Kybernetisierung erfasst auch die Kritik – die sich daher neu erfinden muss, um zu überleben.
„Endosymbiotische Komputation. Über das Gemeinwerden neuer Medien“ von Shintaro Miyazaki: Um die multiplen Krisen der Welt zu bewältigen, braucht es neue Formen des Zusammenlebens zwischen Menschen, Maschinen und ihrer Umwelt. Einen solchen Weg bietet die endosymbiotische Komputation: eine Theorie darüber, wie Computer, Maschinen, Lebewesen und ihre Umgebungen zu einem kooperativen, selbstversorgenden Gefüge verschmelzen könnten. Endosymbiotische Komputation kann in biologischen, technischen und symbolischen Systemen auftreten und fordert Verantwortung sowie gemeinschaftliches Handeln statt der Abschiebung (Externalisierung) von Problemen. Sie integriert lebenserhaltende Prozesse in Maschinen und eröffnet die Perspektive auf eine gemeinsam programmierte Überlebensmaschine.